Ostereier und Tupperschüsseln (von Hans)

Alle Jahre wieder... da kommt nicht nur das Christkind. Alle Jahre wieder... da kommt nämlich auch der Osterhase, er besucht uns im südlichen Teil unseres Nachbarlandes Frankreich. Er weiß genau wo er uns findet, denn so ein Osterhase kennt sich schließlich aus in der Welt.

Alle Jahre wieder... mit den lustig bunten Polyethylen-Booten (von Insidern auch liebevoll Tupperschüssel genannt) zu Ostern an und / oder auf Ardèche, Chassezac, Beaume, Cèze, und was sonst noch Wasser in ausreichender Menge führt. So früh im Jahr haben bereits etliche Campingplätze ihre Tore weit geöffnet, um sich das Geschäft mit den Kanu-/ Kajak-Enthusiasten nicht entgehen zu lassen. Die Plätze sind dann, von der Klientel her betrachtet, überwiegend „fest in deutscher Hand“.

Unser Ziel ist seit mehr als 20 Jahren der gut besternte Campingplatz „Domaine de la Bastide“, direkt am „Bord de l’Ardèche“ gelegen, etwas unterhalb der Mündung des Chassezac in die Ardèche. Der Platz bietet gute Ausstiegsmöglichkeit für Touren auf Beaume, Chassezac und Ardèche. Erstmalig nach 10 Jahren Trockenbett hatte in diesem Jahr die Ibie genügend kristallklares Wasser für eine (oder mehr) Befahrung anzubieten.

 

 

Alle Jahre wieder... trifft man dort auf bekannte Gesichter, aber auch auf neue Gesichter – die im nächsten Jahr dann schon bekannte sind – aus allen Teilen unserer Republik, wobei der nördliche Norden, wen wundert’s, ziemlich unterrepräsentiert ist. Aber was soll’s, der Wassersport eint sie alle, auch die, die den Rest des Jahres zumeist im Langboot verbringen.

Kaum ist man / frau von einer Tour zurück, hat geduscht und sich trockengelegt, hat seinen verdienten und obligatorischen „Vin rouge“ im Glas, geht schon die Frage: „Wisst ihr schon was ihr morgen paddelt?“ von Nachbar zu Nachbar über den Platz. Beim morgendlichen „petit-déjeuner“ mit Croissant und Baguette ist die Frage: „Was macht ihr denn heute?“ die meist gestellte.

Man tut sich zusammen, um die Fahrten zum und vom Bach ökonomisch und ökologisch sinnvoll zu gestalten. Das schont die Umwelt, und lässt die Zahl der Bekanntschaften sprunghaft ansteigen – auch gut.

 

 

Es wird beileibe nicht nur gepaddelt. Da sich seit einigen Jahren eine Gruppe von Boule/Petanque- Liebhabern etabliert hat, gehört der späte Nachmittag und frühe Abend den eisernen Kugeln. Die Gegend bietet sich jedoch genauso an für Wander- und Fahrradtouren. In beiden Disziplinen muss man allerdings eine gekräftigte Wadenmuskulatur vorweisen können.

 

Schauen wir mal aufs Wasser: da sind mit großem Hallo ganze Jugendabteilungen unterwegs; da fährt das schon betagtere Ehepaar flott und spritzig seinem Ziel entgegen; da fährt der Opa mit dem Enkelkind im Topo-Duo, die beiden haben einen Mordsspaß, und die Oma ist natürlich auch dabei.

Wenn man das ganze bunte Treiben um sich herum einmal aufmerksam beobachtet, stellt man fest, dass da auch eine ganze Menge Anfänger unterwegs sind. Man erkennt dies meist am Gesichtsausdruck, wenn es einen etwas spritzigeren und flotteren Schwall hinuntergeht, der dann auch noch blöderweise auf eine eindrucksvoll bis in den Himmel ragende Felswand zugeht. Die Kurve kriegen die Meisten noch, aber das nachfolgende Kehrwasser schlägt vollkommen überraschend, ohne auf Alter, Ansehen und gesellschaftliche Position der betreffenden Person Rücksicht zu nehmen, unerbittlich zu. Das hat zur Folge, dass der Proband /die Probandin eine unfreiwillige Schwimmeinlage zum Besten gibt.

Es sind jedoch viele helfende Hände da, die sich um die nun aufgelöste Einheit von Paddler, Paddel, Boot und sonstigem Zubehör kümmern, welches sich, ab jetzt unabhängig voneinander, flussabwärts bewegt. Wenn es denn schwimmfähig ist. Wenn nicht, müssen die abgetauchten Sachen als in Verlust geraten abgehakt werden.

Eine Garantie für guten Wasserstand und strahlenden Sonnenschein gibt es im frühen Frühjahr in dieser Gegend – wie in anderen auch – natürlich nicht. Man fährt hin, der Kameradschaft und der schönen Landschaft wegen, denn die Landschaft ist auch bei miesem Wetter noch eine Reise wert. Man muss die Schönheit nur sehen wollen.

 

 

Außerdem sind regnerische Tage seit Urzeiten Besichtigungstage für Museen und Höhlen, von beidem gibt es in der Umgebung reichlich. Unter unendlich vielen anderen gibt es Museen für die Weinkultur (Ruoms); für Seide und Seidenraupenzucht mit regionalem Heimatmuseum (Musée Alphons Daudet); für die (Eß)Kastanien- und Maronenkultur (Musée de Chataigne, Joyeuse).

Was?, Wo? und Wie? erfährt man in der Regel bei der „Reception“ seines Campingplatzes, oder bei den allgegenwärtigen „Office du Tourisme“, die aber in den kleineren Ortschaften so früh im Jahr evtl. noch nicht besetzt sind.

Selbst wer kein Boot die weite Strecke transportieren will, muss auf seine Abenteuertour nicht verzichten. An fast jeder Ecke in fast jedem Ort (auch wenn er nicht direkt am Wasser liegt) haben sich Bootsverleiher etabliert. Ein paar aus der Gilde haben zu Ostern mit Sicherheit schon ihren Verleih geöffnet. Geschäft ist schließlich Geschäft.

 

Also: im frühen Frühjahr hinzufahren lohnt sich allemal.

 

 

 

Text: Hans W.

Bilder: Wencke und Daniel W., Anja und Andreas H., Uwe W., Hubertus M.

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Kommentare

Anzeige: 1 - 1 von 1.

Michael Martins aus D.d
Freitag, 14-05-10 11:12

Danke für den schönen Bericht Hans.
War ja wirklich ,ober und auch unter Wasser,sehr
eindrucksvoll.Der spassfaktor kam auch nicht zu kurz.
Die Bilder verdeutlichen nochmals das geschehen und den spass den wir alle miteinander hatten.

gruss Micha

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