Die kleine Isar lädt zum spielen ein

Die diesjährige Wildwasserschulung der Freien Wasserfahrer fand mal wieder im bayrischen Mittenwald statt. Das kennen wir schon mit herrlichem Sonnenschein oder mal ein bisschen Regen. Aber in diesem Juni war es etwas nasser. Wegen Starkregens wurden einige Strassen gesperrt und manche Keller ausgepumpt. Für uns Kanuten bedeutet das, sich wasserdicht anziehen und weit voraus schauend paddeln. Bei solchem Hochwasser muss man mit allem rechnen: viel Wasser, schnelle Strömung, hohe Wellen und... fallenden Bäumen. Als ein vom Ufer abstürzender Baum drei unserer Kanuten traf, staunten sie nicht schlecht. Einer tauchte vor Schreck erst mal unter. So lädt die kleine Isar auf ihre Art zum Spielen ein.

 

 

Unser Spähtrupp hatte an den Tagen vor der eigentlichen Schulung einen ganz unbekannten Bach entdeckt. Der Jachen ist als natürlicher Ausfluss des Walchensee eigentlich immer trocken. Aber diesmal sammelte er von allen kleinen Nebenbächen mehr und mehr Wasser ein. Aus dem gemütlichen Wanderfluss wurde ein sehr schneller Wildbach. Nachdem wir 5 der 3 beschriebenen Wehre (sic) gefahren hatten, wussten wir: diese Flussbeschreibung aus dem neuesten DKV-Wanderführer (Bayern, 10. Auflage 2005) ist definitiv zu alt.

 

Strandgut

Mit so viel Wasser lässt man sein Kajak nicht alleine auf dem Bach: Eines unserer Boote fanden wir erst mit Hilfe der bayrischen Polizei im 60 Fluss-km entfernten München wieder. Aber alle Paddler haben die Fahrt unversehrt überstanden und zwischendurch wurden auch Ersatzboote aus Düsseldorf nachgeliefert.

 

Bei unseren Fahrten auf Isar und Ammer ging es dann um die Grundlage des Wildwasserpaddelns: Kehrwaser fahren. Das kann man nie genug üben. Auf die Frage der jugendlichen Teilnehmer „warum quälst du uns so?“ gibt es nur eine Antwort: damit du beim nächsten Wildbach auch anhalten kannst!

 

 

Auch solche Aktionen sind natürlich nur mit der entsprechenden Ausrüstung möglich. Hierzu zählen vor allem Schwimmweste und Helm sowie in jedem zweiten Boot ein Wurfsack. Neoprenkleidung und fest sitzende Spritzdecken ergänzen das.

 

 

So zeigte sich in diesem Jahr Mittenwald und Umgebung von seiner wasserreichen Seite. Auch wenn unsere Übungsleiter diesmal ihre Lieblingsstrecken wie obere Isar und obere Ammer nicht paddeln konnten, haben wir alle etwas erlebt und einige Geschichten zu erzählen.

 

 

 

Text und Bilder: Andreas H.

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Kommentare

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Thomas immer noch der vom Baum getroffene
Montag, 30-08-10 14:21

PS: Das ganze Wochenende hat sehr viel Spaß gemacht. Und wenn all das nicht passiert wäre, was könnten wir denn irgendwann mal unseren Enkeln erzählen. Und gelacht haben wir seit dem nicht nur einmal darüber

Thomas der vom Baum getroffene
Montag, 30-08-10 14:19

Ahoi an Alle,
ahoi an Hans,

als der vom "Baum" getroffene, also als Teilnehmer und als Vater eines Teilnehmers erlaube ich mir einige Worte.

Sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit habe ich bei uns nur verantwortungsvolle Fahrtenleiter kennengelernt. Auch habe ich in die Fahrtenleiter, an deren Touren ich teilnehme, bzw. meinen Sohn teilnehmen lasse, vollstes Vertrauen.

Der "Baum", der in erster Linie mich getroffen hat, war nur ein dicker Ast, der vollkommen überraschend runterfiel und mich auf den Kopf getroffen hat. Reinfallen lassen habe ich mich im übrigen, weil ich von einem Baum ausgegangen bin und darin die einzige Möglichkeit gesehen habe, mich nicht zu verfangen. Übrigens, Danke an Daniel und Dennis, die obwohl auch vollkommen überrascht, sofort an meiner Seite waren. Die Delle im Helm kann besichtigt werden. (Nein, Jürgen, den Schaden hatte ich vorher schon). Bei einem fallenden Baum wäre genügend Zeit zum Handeln gewesen. Die Situation war im voraus, an der Stelle konnte man den Bach rund 200 m einsehen, nicht zu erkennen. (Ich gehe ja auch nicht über die Kö und rechne ständig mit fallenden Bäumen).

Ansonsten wurde nichts gefährliches gepaddelt. Alles war einzusehen, wurde vorher besichtigt. Und ich bezeichne mich nicht als Weisswassergott. Mein Sohn kann mittlerweile mehr als ich... .

Lieber Hans, bitte kommentiere zukünftig nur Fahrten, an denen Du auch teilgenommen hast. Für Besucher dieser Seiten entsteht durch Deinen Beitrag der Eindruck unverantwortlicher, leichtsinniger Fahrtenleiter. Ich äußere mich auch nicht über die "Seefahrer", obwohl die in meinen Augen die eigentlich Verrückten sind (nichts für Ungut). Irgendwo sind alle Paddler verrückt.

Gruß Thomas

Anja Halfmann aus Düsseldorf
Donnerstag, 01-07-10 08:17

Hallo Hans,

unsere Übungsleiter wussten schon was sie tun. Für die Wildwasserschulung waren Wildwasservorkenntnisse auch eine Grundvoraussetzung.
Flüsse waren nicht gesperrt!
Erkundigungen wurden eingeholt - das örtliche Forst- und Wasserschutzamt und die nette hilfsbereite Bad Tölzer Polizei half da schon weiter.
Grüße aus Düsseldorf

Hans D. Wittler aus Hagermarsch Ostfriesland
Mittwoch, 30-06-10 15:11

Das Studium dieses Berichtes hat mich beim erstenmal lesen so ins Grübeln gebracht, daß ich ihn – um falsche Interpretationen auszuschließen - mehrfach Wort für Wort durchgearbeitet habe.
Die Rede ist von Starkregen, Straßensperrungen, Kellerauspumpen, Hochwasser, schneller Strömung und hohen Wellen. Beschrieben ist ein ein Scenario, bei dem man über die (Noch-)Befahrbarkeit eines „sehr schnellen Wildbaches“ etwas ausgiebiger nachdenken muß.
Ausgiebiger deshalb, weil die teilnehmende Klientel nicht nur aus Weisswasserspezies bestand, die sich das ganze Jahr hindurch täglich in und auf vierer bis sechser Bächen herumtreiben.
Im besonderen, wenn Uferauswaschungen – wie offenbar geschehen – zum Umstürzen von Bäumen führen. Bäume die bereits seit Jahren schief stehen, bilden auch jahrelang die Gefahr des gänzlichen Umstürzens. Das geschieht jedoch nicht in der Zeitdauer eines Lidschlages, das Wurzelwerk verhindert in gewissem Maße ein plötzliches Fallen, wie es z.B. ein Sägeschnitt nach sich ziehen würde.
Die Summe der optischen Wahrnehmungen, die nahezu gleichzeitig verarbeitet werden müßen, ist auf einem schnellfließenden Wildwasser immens. „Verarbeitet“ steht hier für den Vorgang des Erkennens einer besonderen Situation bis zu deren sicherem Abschluß.
Die einsehbare Strecke ist in der Regel sehr kurz. Trotzdem muß beim Befahren in jedem Augenblick ein Notausgang (Kehrwasser) erkannt werden, der im Zweifelsfall mehr als einem Boot Unterschlupf gewähren kann.
Ich habe mich entschlossen davon auszugehen, daß die drei Sportkameraden, die von dem hinterlistigen Baum attackiert wurden, sicher keine Anfänger, sondern aufmerksame, besonnene, erfahrene und umsichtige Paddler sind. (isn't it?)
Grundsätzlich gilt: Während und nach einem Hochwasser ist eine Fahrt - selbst auf einem seit Jahrzehnten als „zahm“ bekannten Bach - als Erstbefahrung mit all ihren Unwägbarkeiten einzustufen.
Ganz sicher dann, wenn von Starkregen, Straßensperrungen usw. (siehe Anfang dieses Beitrages) gesprochen wird.
Hat schon 'mal jemand darüber nachgedacht, daß evtl. der eine oder andere Bach aus ebendiesen Gründen von den örtlichen Verwaltungen vorübergehend gesperrt sein könnte ?

nixfürungutundbisdietage
Hans D. Wittler

Ein kleiner anonymer Feigling
Mittwoch, 16-06-10 21:10

alle bäume kommen von oben :-)

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