Mit einer Granate zum G7

Mittwoch, 3. Juni, irgendwo in München. Nicht mehr weit bis zum Ziel Kochel am See.

Vor mir vier Polizeiwagen und vier Kräder aus ... NRW!? Noch denke ich mir nichts dabei.

 

Endlich auf der A95 Richtung Garmisch-Partenkirchen. Warum sind denn hier alle Parkplätze gesperrt? Wir haben doch Sommerpause und Fortuna hat gar kein Auswärtsspiel.

 

Noch zwei Ausfahrten und und ein kurzes Stück über Land und ich bin da. 100, 80, 60, 40, 20, ich denke noch, das bedeutet nichts Gutes, und schon ist die Autobahn gesperrt. Der nette Herr in Grün fragt wo ich hin will und ich frage ihn, wie ich denn da über Land am besten hinkomme. Keine Ahnung meint er, ich bin nicht von hier. Stimmt, der dazugehörende Wagen hatte ein Nummernschild aus Sachsen. Also Navi an und weiter. Hat ja auch Vorteile, schließlich komme ich so an einer Landmetzgerei vorbei. Also erstmal ein wenig Nahrung bunkern.

 

 

Irgendwann bin ich dann am Campingplatz und melde mich an. Ich gehöre zu der Gruppe aus Düsseldorf! "Düsseldorf?" Ja, Düsseldorf. Paddler! "Paddler?" Ja, Paddler. Gruppe Schunath! "Schunat?" Ja, Schunath. Mit "h" am Ende. "Hab ich nicht!" Grrrr! Nach langem Suchen hat er uns dann doch gefunden. Ihr könnt vorne hin oder auf die Zeltwiese. Vorne ist besser, dachte ich mir, da dort nachmittags Schatten ist. Es sollte ja schließlich ein heißes Wochenende werden.

 

Irgendwann kamen Anke und Rolf und wir haben alles, auch die Zelte der Nachtankömmlinge, aufgebaut. Was für ein Service.

 

Geweckt wurde ich durch den Geruch frischen, starken Kaffees. Also streckte ich den Kopf aus dem Zelt und blickte auf einen Frühstückstisch mit allem, was dazugehört. Das war der Dank fürs Zeltaufbauen. Super.

 

Grrh. War natürlich nur ein Traum.Wäre auch zu schön gewesen. Den Kaffee und mein Müsli musste ich mir selber machen. Zitat Sabine: "Wir hätten Euch auch gerne mit Kaffee geweckt...wenn wir nicht im Schlafkoma gelegen hätten...."

 

Auf geht's zum Paddeln, Richtung Lenggries. Natürlich standen wir erstmal im Stau vor einer Polizeikontrolle. Nachdem wir uns nach mehreren Versuchen an der Einsatzstelle in Lenggries wiedergefunden haben ging es in flotter, unspektakulären Fahrt bis nach Bad Tölz. Unterwegs hieß es auf einmal: Weißt Du noch, der BAUM? Na klar, wie könnte ich das vergessen (der interessierte oder uninteressierte Leser kann die Geschichte dazu in dem Mittenwaldbericht aus 2010 nachlesen). In Bad Tölz war irgendwie die Hölle los. Trotzdem ging es nach dem Paddeln noch in eine Eisdiele. Irgendwie müssen die Kalorien ja wieder drauf.

 

 

Freitag und auch Samstag (nach Meuterei, es sollte ursprünglich auf die Ammer ab Rottenbuch gehen) paddelten wir die obere Isar. Das sonst obligatorische Versetzen entfällt hier, da die Einsatzstelle im Nationalpark Karwendel liegt und die Anfahrt nur zu Fuß oder mit einem "Nationalparktaxi" erlaubt ist. Superbequem, aber mit 8,-- EUR pro Fahrt und Person (max. acht Personen) auch kein Schnäppchen.

 

Der Bach selber gehört zu den Schönsten, die ich kenne. Einstieg inmitten einer grandiosen Bergwelt, glasklares, flottes Wasser, fordernd, aber immer fair. Ungefähr zur Hälfte geht es in und durch die Schlucht. Der einzige Minuspunkt ist der Ausstieg. Er lieg an einem Steilufer in einer Außenkurve. Nicht ganz einfach. Aber, bis auf ein Paddel, haben wir es alle geschafft. Dem Paddel sind dann Andrea und Robert hinterher. Tatsächlich haben sie es gefunden. Nur bis zum vereinbarten Ausstieg haben sie es dann nicht mehr geschafft. Unterwegs war der Bach durch sämtliche Polizeikräfte Deutschlands gesperrt. G7 halt. Dafür hatten wir, glaube ich, das sicherste Booteladen, welches je ein Paddler in Deutschland hatte. Eine extra für uns gesperrte Straße, Polizisten, Bundespolizisten, wer weiß wer sonst noch alles, dazu Zelte, Duschen, Toiletten, Verpflegung.

 

 

Ps: Tatsächlich wurden wir am Samstag Abend noch eingekesselt. Allerdings nicht von Ordnungshütern, sondern von Lothar. Die zu diesem Tief gehörende Kaltfront sorgte für ein dreistündiges Gewitter. Gruppenkuscheln vorm und im Wohnwagen war angesagt.

 

Pps: Für die Statisten: Isar, Lengries - Bad Tölz 8 km, obere Isar, Futterstadl - Scharnitz 11 km

 

 

Ppps: Die Granate hat die Ordnungsmacht übrigens nicht gefunden.

 

 

Text und Bilder: Thomas J.

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