Ich hatte es nicht immer leicht, im wahrsten Sinne des Wortes.

(Stabübergabe - aus Sicht des kleinen alten Bootsanhängers)

 

Was DIE immer auf und in mich hineingestopft haben, DIE - das sind die Paddler ... kleine, große und überlange Boote, leichte und sauschwere sowie jede Menge Gepäck, die kompletten Schlaf-, Wohn- und Kücheneinrichtungen von Outdoor-Vagabunden wurden mitgeschleppt. Mit mir konnten sie es ja machen, jahrzehntelang.

Vielleicht sollte ich hier berichten, dass ich aus einer Zeit stamme als die Faltboote ihre Reise zur Wanderfahrt erstmalig aufgebaut antraten und nicht - wie seinerzeit üblich - am Anfang und Ende eines fremden Gewässer auf- und abgebaut werden mussten. Deshalb hatte ich zum Schutz der empfindlichen Gummihaut auch diese Feuerwehrschläuche. "Plastik"- Boote gab es damals nur vereinzelt, sie wurden jedoch ständig mehr.

Zu den verschiedensten Anlässen wurde ich eingesetzt, Vereins- und Bezirksfahrten, An- und Abpaddeln, Frauen- und Glühweintouren, Fahrten zu kleinen und großen, stillen und wilden Gewässern sowie Binnenseen und Meeren. Auch für den Kanuverband NRW habe ich viele Fahrten an Ostern, Pfingsten und in den Sommerferien mitfahren dürfen. Dann ging es meistens nach Belgien, Luxemburg, Frankreich und Österreich.

 

Langweilig war es bei den Kanuten nie!

Am meisten gefürchtet habe ich mich vor den großen Urlaubsfahrten in die Alpen. Das Gepäck, das nicht in den Bus passte, kam in meine große Kiste (was da alles reinging) und der Rest, wie Paddel, Schwimmwesten, Sturzhelme und so manch andere Dinge in die Boote. Dann hatte ich immer besonders schwer zu tragen. PUUUH!

Der untermotorisierte, mit 9 Personen besetzte Vereinsbus (50 PS) und ich vollgepackter Hänger waren stets enorm erleichtert, wenn wir die Passhöhen erklommen hatten, denn in den 1960er-/70er-Jahren führte die Fahrt nach Kärnten noch über den Tauernpass, eine schmale, kurvenreiche und einspurige Straße mit einer Steigung von ca. 25 %. Da durfte vor uns kein LKW-Gespann fahren, beladen mit unzähligen Abfalltonnen aus schwerem Stahlblech, denn der bremste uns noch mehr aus und statt Schneckentempo ging es nur stockend und stotternd weiter bergauf. Am meisten gelitten hatte natürlich ICH, denn ich hing immer direkt am Zugfahrzeug und musste die stinkenden Auspuffgase einatmen.

Auch sonst hatte ich mit manchen Dingen zu kämpfen, zimperlich gingen die Paddler nicht mit mir um. So wurde ich manches Mal mit meiner Kupplungsstütze und dem Kupplungsstecker achtlos über den Asphalt gezogen, sodass die Beleuchtung nicht mehr funktionieren konnte - ja die Beleuchtung war wohl ein Schwachpunkt von mir, insbesondere beim Transport der Langboote. Alles das habe ich meist klaglos über mich ergehen lassen, auch wenn die letzten Reparatur-Schweißnähte schon mal an die Substanz gingen. Und da meine Gesamtkonstitution nicht mehr die beste war, wurden Überlegungen angestrengt, mich gegen eine neue eierlegende Wollmilchsau auszutauschen. Der neue Hänger sollte mindestens so gut sein wie ich - verständlicherweise nicht so einfach zu erfüllen, wenn ihr meinen Werdegang richtig gelesen habt - und noch weitere andere Kriterien erfüllen. Nach unzähligen Diskussionen, diese sind zwischenzeitlich auch mal ins Stocken geraten, wurde der NEUE bestellt und jetzt ist er da.

 

... und was ist mit mir? Ich hab ausgedient.

Apropos Dienst: in den Zeiten, wo ich keinen "Dienst" hatte, also während der Woche, stand ich viele Jahre beim KCJW am Robert-Lehr-Ufer, später dann beim FWF am Volmerswerther Deich nutzlos herum. Nur am Wochenende und in den Ferien, wenn alle anderen frei haben und sich erholen, dann musste ich ran. Jetzt, nachdem der NEUE da ist, hat mich ein nettes Vereinsmitglied erworben, bei dem ich nun mein Gnadenbrot erhalte. Mal schauen was ich dort noch erleben darf.

Ich habe nun Abschied genommen, Abschied von einer langen, sehr bewegten Zeit. Viele Kinder und Jugendliche, Senioren und auch die alten Seebären haben mich in den zurückliegenden Jahren kennen und schätzen gelernt. ADIEU und alles Gute!

Den Staffelstab gebe ich hiermit an den NEUEN weiter und wünsche ihm die gleiche Nutzungsdauer wie mir. Ob er genauso vielseitig einsetzbar ist wie ich und welche Erlebnisse ihn prägen, davon darf er in 50 Jahren berichten.

 

 

 

Text: Erika B.

Bilder: Edward H.

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